Volitiv Esperanto

Einleitung

Der Volitiv dient als Imperativ für Aufforderungen und Befehle. In Nebensätzen verwenden wir Volitiv nach Ausdrücken von Wünschen und Aufforderungen (ähnlich wie Subjunktiv in einigen anderen Fremdsprachen).

Pasaĝero: Haltu! Veturigu min al la stacidomo.

Taksiŝoforo: Kompreneble. Eniru! … Ni ekveturu!

Pasaĝero: Bonvolu ne veturi tro rapide! Mi naŭziĝas facile.

Taksiŝoforo: Ne timu! Mi ne povas veturi rapide en la pinthoro kaj mi ne volas, ke miaj pasaĝeroj vomu en mia taksio.

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Verwendung

Als Imperativ

Der Volitiv entspricht dem deutschen Imperativ, wenn wir jemanden direkt auffordern oder bitten, etwas zu tun oder nicht zu tun.

Beispiel:
Haltu!Halten Sie (an)!/Halte/Haltet an!
Eniru!Steigen Sie ein!/Steige/Steigt ein!
Ne veturu tro rapide!Fahren Sie nicht zu schnell!

Info

Im Deutschen verwenden wir Imperativ auch für höfliche Bitten. Andere Nationen könnten diese Form aber eventuell als unhöflich ansehen. Bei einer Bitte sollten wir deshalb statt Volitiv lieber eine Frage verwenden.

Beispiel:
Veturigu min al la stacidomo!Fahren Sie mich zum Bahnhof!
→ Ĉu vi povus veturigi min a la stacidomo?Könnten Sie mich zum Bahnhof fahren?

Wir können in Esperanto aber auch das Wort bonvolibitte (wörtlich: die Güte haben, so gut sein) in den Imperativ setzen. In dem Fall hängen wir das eigentliche Verb im Infinitiv an.

Beispiel:
Bonvolu veturigi min a la stacidomo!Fahren Sie mich bitte zum Bahnhof!
wörtlich: Seien Sie so gut und fahren Sie mich zum Bahnhof.

In Nebensätzen

Nach bestimmten Wörtern/Wendungen, die einen Wunsch, eine Aufforderung oder Notwendigkeit ausdrücken, steht im Nebensatz der Volitiv (siehe Liste mit Wörtern und Wendungen, die Volitiv verlangen). Im Deutschen nehmen wir hier Präsens.

Beispiel:
Estas malpermesate, ke pasaĝeroj fumu en taksio.Es ist verboten, dass Fahrgäste im Taxi rauchen.

Volitiv verwenden wir auch in Nebensätzen mit (por) ke …, wenn sie das Ziel der Handlung aus dem Hauptsatz beschreiben. Im Deutschen leiten wir solche Nebensätze mit dass/damit ein.

Beispiel:
Mi ne volas, ke miaj pasaĝeroj vomu en mia taksio.Ich möchte nicht, dass sich meine Passagiere in meinem Taxi übergeben.
Mi diras tion, por ke vi sciu.Ich sage das, damit du es weißt.

Als Übersetzung für sollen

Bei indirekten Aufforderungen, die wir im Deutschen mit dem Modalverb sollen formulieren, benötigen wir in Esperanto den Volitiv (vgl. indirekte Rede).

Beispiel:
Der Taxifahrer soll langsam fahren.
→ La taksiŝoforo veturu malrapide.

Bildung

Wir entfernen die Infinitivendung -i und hängen stattdessen -u an.

Beispiel:
veturi → Veturu!fahren → Fahr!/Fahrt!/Fahren Sie!
  • In der direkten Aufforderung entfällt das Pronomen vi (das Pronomen ni wird aber gesetzt).
    Beispiel:
    halti → Haltu!Halt an!
    Haltet an!
    Halten Sie an!
    /Ni haltu!Halten wir an!
    Lass(t) uns anhalten!
    eniri → Eniru!Steig ein!
    Steigt ein!
    Steigen Sie ein!
    /Ni eniru!Steigen wir ein!
    Lass(t) uns einsteigen!
    ekveturi → Ekveturu!Fahr los!
    Fahrt los!
    Fahren Sie los!
    /Ni ekveturu!Fahren wir los!
    Lass(t) uns losfahren!
  • Im Sinne von sollen sowie im Nebensatz muss das Nomen/Pronomen aber erwähnt werden.
    Beispiel:
    La taksiŝoforo/Li veturu malrapide.Der Taxifahrer/Er soll langsam fahren.
    Mi ne volas ke miaj pasaĝeroj/vi vomu en mia taksio.Ich möchte nicht, dass sich meine Passagiere/Sie sich in meinem Taxi übergeben.
    Mi diras tion, por ke la taksiŝoforo/li sciu.Ich sage das, damit der Taxifahrer/er es weiß.

Negative Form

Wollen wir jemanden auffordern, etwas nicht zu tun, setzen wir einfach ne vor das Verb.

Beispiel:
Ne veturu tro rapide, bonvole! Mi naŭziĝas facile.Fahren Sie nicht zu schnell, bitte! Mir wird schnell übel.
Ne timu!Haben Sie keine Angst!